Dienstag, 4. März 2008

Ha ya goin'?

Okay, das Chaos in meinem Kopf hat sich etwas gelegt, was nicht heißt, dass anstelle dessen jetzt Ordnung herrst, aber zumindest ist es mir1. möglich, einen zusammenhängenden Text zu schreiben und 2. hab ich am nächsten Tag nicht mehr das Bedürfnis, alles zu verwerfen und was ganz anderes zu schreiben. Beste Vorraussetzungen also zum Bloggen. Ich hoffe, dass dieser Zustand auch lange anhalten wird.

Ich fang dann erstmal mit dem letzten Eintrag an: Die dargestellten Bilder sind größtenteils entstanden, wenn ich mit Benôit unterwegs war. Er hat sich ein Zimmer in Coogee angeschaut, wohin ich ihn begleitet habe. Bei dem Zimmer handelt es sich um ein Doppelzimmer, das er sich mit einem Freund teilen würde. Es befindet sich in einem großen Einfamilienhaus. Seine Mitbewohner wäre 8 oder 9 junge Leute, hauptsächlich Australier, so Mitte bis Ende 20. Es gibt eine riesige Küche/Wohnzimmerkombination mit kombiniertem Pool-/Pingpongtisch und Plasmafernseher und einen kleinen Garten mit Barbecue (natürlich) und kleinem Swimmingpool. Insgesamt wirkt der Platz so, als fände hier viel soziale Interaktion statt. Find ich sehr sympathisch, wie manche Leute wohnen. Wir machen einen kleinen Sapaziergang in Coogee und die Gegend gefällt mir wirklich ungemein. Am nächsten Tag wird Ben nochmal wiederkommen und sich dafür entscheiden, erstmal ein paar Monate in seiner Hostel wohnen zu bleiben. Schade eigentlich, ich wäre ihn gerne mal dort besuchen gekommen. Aber zum einen gibt es dort wohl Kakerlaken, zum anderen ist die Busverbindung sehr schlecht frequentiert. Eine Kakerlake hatte ich vor zwei Tagen übrigens auch. Miriam und Renne haben mir erzählt, dass die großen Kakerlaken quasi überall sind und die kleinen nur dort, wo Fäkalien sind. Ich hatte eine große. Ich frag mich, was für welche Ben gesehen hat. Dabei fällt mir ein: das Ding in der Bar war eine kleine Kakerlake. *würg*
In den nächsten Tagen hab ich neben Sideseeing mit Ben immer mal wieder etwas mit den spanischen/französischen Kollegas gemacht. Sie sind ganz nett zu mir, laden mich zum Kochen ein, kaufen nur für mich Bier (kaum zu fassen, dass alle anderen Wein bevorzugen ^^) Ein Hauch von Erasmus liegt in der Luft.
Ich sehe Läëticias Wohnung im Studentenwohnheim. Die Aussicht ist fantastisch. In 3 Zimmern wohnen 8 Leute. Eine Bewohnerin hat sich mit Pappe und Schrankteilen ein Stück von der Wohnzimmerküche abgesteckt.
Unter normalen Umständen hätte ich kein Problem damit, mit diesen Leuten rumzuhängen, aber tut mir echt leid, Leute, ich bin in Australien und würde mich gerne auch auf eine Kultur einlassen, die ich noch nicht so gut kenne und etwas mehr mein Gastland repräsentiert.
Ich sage ihnen das natürlich nicht so, mache aber auch nicht jeden Scheiß mit, den sie machen und habe das Gefühl, jedesmal, wenn ich etwas ausgelassen habe, beim nächsten Mal dafür bestraft zu werden, dass ich nicht dabei war. Tja, Pech gehabt, auf so einen Zwang hab ich auf jeden Fall kein Bock. Das letzte Mal, dass ich etwas mit ihnen gemacht habe, war die Internationals Cocktail Party. Ich weiß, ich mecker zu viel, aber an der Party gab es nichts, das mir gefallen hat. Ein großer Saal mit lauter Internationals, die Kleiderordnung ist 'smart casual', was wohl soviel heißt wie Sacko oder zumindest schickes Hemd. Jeder ist smart casually gekleidet, außer mir natürlich. Die Gespräche verlaufen meistens in der Art "Nice to meet you, what's your name? Where are you from?" Das heißt, vielleicht führen die anderen Anwesenden auch total tiefsinnige Gespräche, nur mit mir niemand, weil ich so langweilig bin *fischfischfisch* ;-)
Naja, es geht den meisten halt darum, möglichst viele Leute in möglichst kurzer Zeit kennenzulernen. Wenn ich kein Interesse daran habe, möglichst viele Internationals kennenzulernen, sollte ich mich auch nicht auf so ein Event mitschleifen lassen. Egal, ging auch vorbei. Später geht's dann nach Hause, Renee und Miriam haben einen Freund aus Highschool-Zeiten zum Diner eingeladen. Der Abend endet damit, dass wir unter massivem Weineinfluss aus dem Jahrbuch von Miriams und Renees Arbeitsstelle (die beiden arbeiten zur Zeit das gleiche) nach einem potentiellen Partner für ihn suchen. Es ist schon beeindruckend, wieviel Spaß doch in einem Jahrbuch stecken kann ^^
Einige Tage später: Tandem welcome meeting. Sinn des Tandem-Programms ist es, jedem International, der sich dafür anmeldet, einen australischen "buddy" zu geben, so dass diese gelegentlich etwas gemeinsam unternehmen. Wenn ich nicht irre, ist das Tandem-Prinzip an recht vielen Unis verbreitet, unter anderem auch an der Uni Oldenburg.
Wir sollen unseren Namen sowie die 3 wichtigsten Eigenschaften, die wir in unserem Tandem-Buddy suchen, auf einen Aufkleber schreiben und ihn uns an die Brust kleben. Ich schreibe: 'Easygoingness', ein Altersspektrum und 'up for a drink now and then'
Mein Tandem-Buddy wird Zhi, eine Australierin chinesischer Herkunft. Sie trinkt zwar keinen Alkohol, aber ist dafür überaus unternehmungslustig. Außerdem lerne ich einen Matthew, einen Freund von ihr, sowie seine Tandem-Buddy namens Tomoko aus Japan kennen.
Tomoko ist die erste nicht-australisierte japanische Person, die ich hier kennenlerne. Die kulturellen Unterschiede sind... wie soll ich sagen: anhand ihres Verhaltens ist es nicht schwer, auf ihre Herkunft zu schließen.
Am Wochenende laden mit Matt und Zhi zu einem Event am Hafen ein. Es geht darum, dass zwei große Luxusyachten im Hafen von Sydney aneinander vorbeifahren. Klingt jetzt erstmal nicht so spannend, tatsächlich ist aber die Hölle los. Neben Matt und Zhi sind noch Michael aus China und Lukas aus Deutschland dabei, der aber glücklicherweise als einer der wenigen Deutschen mit mir englisch spricht.
Am nächsten Tag ist endlich Uni. Über die Uni werde ich auch noch ein paar Worte verlieren, aber erst später. Auf jeden Fall lerne ich in einem Kurs Shaun aus Malaysien kenne, der mich mit zum Lunch in ein malaysisches Lokal nimmt und mich fragt, ob ich nicht Masa, einer malaysischen student association, beitreten möchte. Das Prinzip ist übrigens nicht das einer deutschen Studentenverbindung. Am Samstag ist auf jeden Fall ein Kennenlernevent für neue Mitglieder, bei dem als einziges neues Mitglied auftauche.
Ein paar Worte zu Malaysien: Malaysien grenzt es an Thailand, Indonesien, Singapur, Brunei und die Philippinen. Die Hauptstadt ist Kuala Lumpur oder auch KL. Von den etwa 27 Mio. Einwohnern sind fast 25% chinesischer Herkunft bzw. Chinesen. Die meisten Malaysier sprechen neben malay, der ursprünglichen Sprache, daher noch kantonesisch und englisch, weil Malaysien lange Jahre seit dem 19. Jahrhundert eine britische Kolonie war. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat malay eine eher geringe Rolle in Malaysien.
Der Samstag hätte lustiger nicht sein können. Nach dem ergebnislosen Warten auf weitere potentielle Mitglieder machen wir eine Touri-Bustour durch Sydney, die mir die Malaysier spendieren, anschließend gehen wir malaysisch essen (übrigens sehr empfehlenswert und sehr exotisch). Dann noch ne Runde Billiard mit Shaun, anschließend nach Hause kurz pennen und abends dann zum Gay & Lesbian Mardi Gras, einer der größten Lesben- und Schwulenparaden der Welt. Mit Kay aus Thailand, die nun mit von der Partie ist, bin ich nicht mehr der einzige nicht-Malaysier.
Es handelt sich also nicht um einen reinen Ethno-Club, damit die Malaysier mal unter sich sein können. Tatsächlich lautet das Motto "bringing diversity together". Die meisten der malaysischen Mitglieder sind auch schon recht lange in Australien, einige sogar schon seit der Highschool. Außerdem sprechen sie wegen ihrer Herkunft perfektes englisch.
Nur mal so aus Interesse: Könnt ihr raten, wer auf den Bildern Kay (Mädel) ist?
Egal, anschließend geht's dann noch mit dem schlafresistenten Anteil der Gruppe zum Darling Harbour, um einige Bierchen zu vernichten. Bis zum Ende machen die Leute, die ich an diesem Tag getroffen habe, einen sehr gelassenen, spaßbetonten, herzlichen und netten Eindruck.
Dieses Wochenende könnte auch lustig werden, morgen steht Sightseeing mit Ben, am Samstag BBQ mit den Masa und am Sonntag evtl. was mit Zhi, Matt und Tomoko.
Was fehlt? Achja, das Wetter ist echt besser geworden, es gab in den letzten Tagen fast nur noch Sonne.
Die nächste Herausforderung wird sein, Zeit für Sport zu finden und mir zu nehmen, denn es wird langsam echt Zeit, die Bilder sprechen für sich ^^ Ich werd's mal mit Basketball und Ultimate Frisbee versuchen.
Ich hoffe, das Wochenende wird lustig. Ich hoffe, ihr geht mal malaysisch essen, denn das ist wirklich gut und ich hoffe, bei euch ist alles im grünen Bereich.



Matt und ich beim Tandem Welcome Day

Coogee Beach:

recht voll, weil Samstag und dazu nach langer Zeit erstmalig gutes Wetter war


Die Wellen können sich sehen lassen und machen echt Spaß

jaja, so sieht also Studieren in Australien aus ^^



BBQing auf der Promenade von Coogee Beach

Picknick auf der Promenade von Coogee Beach
Das Leben findet halt vielfach draußen statt in OZ.

Boots-Passierung:






ich, Matt, Michael und Lukas

Darling Harbour:




da weht die wohl schönste Flagge der Welt


Gay & Lesbian Mardi Gras:




mein persönlicher Lieblingsschnappschuss vom Mardi Gras














nicht schlecht... ich finde, besoffener kann man auf einem Foto nicht aussehen



kurzes Video vom Mardi Gras